Die Unterschiede zwischen den Outdoors, ein Interview

Frager: Sie haben Deutsch als Zweitsprache gelernt. Ist das literarische Schaffen in diesem Falle anders als bei einem Autor deutscher Muttersprache? Was glauben Sie?

Stanišić: Mein literarisches Schaffen ist vor allem anders als bei einem blonden Autor. Blonde Autoren schreiben viel realistischer. Das geht manchmal bis in einen manischen Sekundenstil, in dem ein Brot zwei Seiten lang mit Butter beschmiert wird, was erst mal super ist, bis dann die Marmelade dran kommt. Magische Elemente (Asylbewerber, Cowboys, Galeria Kaufhof als Erzählerin) sind dagegen seltener, die Bilder weniger üppig, man merkt den Blonden auch einen gewissen Respekt vor Sprachspiel und Nebensatz an. Auch widmen sich blonde Autoren viel seltener Migrantenthemen wie Krieg oder Nahrungsaufnahme. Rothaarige Autoren dagegen sowie Autoren, die in der Nähe von einer Brücke geboren wurden, zeichnen sich vor allem dadurch aus, dass sie sehr gern Thriller schreiben, die in der Nähe von Brücken spielen, oder aber – interessant! – das Genre des Hexenromans immer wieder neubeleben. Ein sehr guter Freund von mir ist ein sehr talentierter glatzköpfiger Autor. Bei ihm nehme ich die typische Vorliebe glatzköpfiger Autoren für Geschichten über alte Männer und Basketball wahr. All das zeigt mir, dass die Literatur ein sehr weiter Fels ist und jedes Outdoor anders als ein anderes Outdoor.

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