Annas Schlaf

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Anna. Es existiert von dir als Kind nicht eine einzige Aufnahme – kein Film, kein Bild -, auf der du schläfst. Deine Mutter hatte viel gefilmt. Deine ersten Schritte sind ein Film, du fällst hin, du stehst auf, du fällst hin. Du weinst, du weinst nicht. Im Film wirst du gebadet, im Film gräbst du im Garten ein Loch und wirfst Samen hinein und hockst da und wartest aufmerksam, dass die Blume kommt. Du bist ein Rätsel wie alle Kinder ein Rätsel sind.

Im Film bläst du drei Kerzen auf einer Torte aus und in der nächsten Einstellung kotzt du Frau Schwermuth in den Nacken. Du hattest Unmengen von Frau Schuberts Mandarinen-Sahne gegessen und gabst Frau Schubert ihre Mandarinen-Sahne zurück. Ein bisschen von der Torte aus dir landet wieder auf der Torte vor dir. Schnitt. Niemand ist beim Kotzen charmant, nicht einmal als Karl Marx verkleidete Geburtstagskinder.

Großvater und du, Bläsermusik, du willst mit Großvater tanzen, er hat keine Lust. Du bist eines dieser Mädchen, bei dem Zöpfe links und rechts nicht süß aussehen.

Und der Schlaf fehlt. Beweis für den ungeduldigen Schlaf des Säuglings, für den erschöpften Schlaf einer sich müde gespielten Dreijährigen. Man müsste Zeugen finden, die versichern, dass du je geschlafen hast.

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